Schnuffel
                                                                             Dar es Salaam,
                                                                             den 21.August 2001

Liebe Frau vom Krummholz,
aeh, ich meine Frau Naunheim,
ach was, Christiane!

Ich bin es, Dein “Wapi”. Du weißt doch, die rotbraune Hündin aus dem W-Wurf.
Im August 1998 bin ich nach Tansania, an den Indischen Ozean verzogen, und seitdem hast Du nichts von mir gehört. Tansania liegt in Afrika. Deswegen heiße ich ja auch “Wapi”. Das ist nämlich Kiswaheli, die hiesige Sprache, und heißt “wo bist Du”. Mein Herrchen hat damals gesagt:”Ein Dackel gehorcht nie!”. Den müssen wir ständig suchen. Deswegen nennen wir ihn auch gleich so.” Und die Lena, das ist ja  - Du erinnerst Dich - die kleine Tochter von meinem Herrchen, hat mir dann noch den Namen “Schnuffel” dazu gegeben. Und deswegen heiße ich “Wo ist Schnuffel”.

Dabei stimmt das gar nicht, daß ich nicht gut gehorche. Das weiß mein Herrchen inzwischen auch. Ich komme sofort, na zumindest ziemlich schnell, wenn ich gerufen werde. Und meistens komme ich von alleine, wenn ich jemand aus meiner Familie höre, denn ich schmuse schrecklich gerne.

Afrika ist ziemlich spannend. Erstens ist es heiß. Das macht mir gar nichts aus, denn mein Haar ist kurz, wie es einem Kurzhaar-Dackel geziemt. Ich lege mich sogar in die Sonne, wenn ich mich in der Mittagszeit draußen mal ausruhe. Zweitens gibt es im Garten ganz viele Tiere, die ich gerne jage. Zum Beispiel Eidechsen, Kröten, Schlangen, Krähen und Schildkröten. An die Schildkröten habe ich mich aber gewöhnt. Mit denen gehe ich spazieren. Da lachen alle Besucher. Und drittens ist immer was los. Da kommen Kinder, andere Hunde, Gäste und Wapi Schnuffel immer mitten drin. Alle sagen, ich sei gut erzogen und würde mich wie eine “vom” benehmen.
Und ein prima Wachhund sei ich, sagt mein Herrchen. Früher hatte der nämlich zwei Rhodesische Ridgebacks. Die sind auch braun und kurzhaarig wie ich, aber fünfmal so hoch und so schwer. Es sollen tolle Hunde gewesen sein, aber als nachts Diebe kamen, da haben sie sich über die Abwechslung gefreut und mit denen gespielt. Ich hingegen lebe im Haus, und wenn ich draußen ein verdächtiges Geräusch höre, dann belle ich - nicht zuviel, aber doch genug, daß meine Familie Bescheid weiß. Jedenfalls sind die mit mir als Askari (das heißt Wächter auf Kiswaheli) sehr zufrieden. Nie hätten sie einen besseren gehabt. Das macht mich schon mächtig stolz.

Wie es mir gesundheitlich geht, willst Du sicher auch wissen. Also blendend. Nicht ein einziges mal war ich bisher krank. Gute Veranlagung aus erstklassiger Zucht, sagt mein Herrchen. Nur neulich, da hatte ich eine Zeckenattacke zu überstehen. Bestimmt 50 Stück hat man mir abgelesen. Da habe ich ein paar Tage gekränkelt und keinen Appetit gehabt. Und Appetitmangel sei nun wirklich außergewöhnlich bei mir, sagt mein Frauchen, denn die füttert mich und muß es wissen.

Am liebsten spiele ich mit der Lena Ballholen und Fangen. Das könnte ich stundenlang. Nur richtig jagen kann ich nicht in Tansania. Das ist schon sehr schade für einen Jagdhund. Aber mein Herrchen arbeitet in einem Nationalpark und da wird ja nicht gejagt. Außerdem darf man hier laut Gesetz bei der Jagd sowieso keine Hunde ein ,setzen. Und dann gibt es im Busch noch die Tsetse-Fliege. Deren Stiche sind für Hunde leider tödlich. Na, von den Leoparden will ich besser schweigen. Mein Herrchen sagt, die lieben Hundebraten über alles. Aber der hat natürlich keine Ahnung. Mit so einem Leoparden würde ich kurzen Prozess machen, das kannst Du mir glauben.

Jetzt will ich Schluss machen. Beste Grüße aus Afrika nach Wehbach
von Deinem Wapi Schnuffel
und auch vom Herrchen, der mir beim Schreiben etwas geholfen hat, denn die Computertasten sind für Dackelpfoten doch ein bisschen unhandlich. Frauchen und Lena lassen natürlich auch sehr herzlich grüßen.

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