Die Entwicklungsphasen des Welpen

Mit ihrem Austritt aus dem schützenden Mutterleib beginnt für die Welpen das Leben in dieser Welt mit einem dünnen Schrei. Dabei wird das Mäulchen weit aufgerissen, die Zunge hervorgestreckt, und der erste, jenen Schrei erzeugende Luftstrom, der aus ihrer Brust herauskommt, fördert einige Schleimrückstände aus den Atemwegen. Sobald ihn die mütterliche Zunge freigibt, kriecht der Welpe mit aller Entschlossenheit auf dem Bauch zum Bauch der Mutter, und nach kürzerem oder längerem Suchen findet er auch schon die Milchquellen. Sein darauf folgendes Schmatzen ist unüberhörbar.

1. bis 14. Lebenstag – Vegetative Phase

Angeborene Verhaltensweisen: Strampeln, Maulöffnen, Rufen, sog. Kreiskriechen (die Welpen bewegen sich nur kreisförmig, was verhindert, dass sie sich zu weit vom Lager entfernen), Suchpendeln mit dem Kopf, Fellbohren, Milchtritt, Abstemmen, Geruchsprägung an Zitzen, Lecksaugen bei Kontakt mit Zitzen, noch kein Bedürfnis nach sozialen Kontakten, blind, Geruchssinn noch schlecht ausgeprägt.

14. bis zum 21. Lebenstag – Übergangsphase

Zu Beginn der 3. Lebenswoche öffnen sich beim Welpen die Augen und Ohrkanäle. Bis der Welpe allerdings visuelle und auditive Reize aus seiner Umgebung gut verarbeiten kann, braucht es bis zum Ende der 3. Lebenswoche. Erst dann erhalten diese Umweltreize eine Bedeutung für den Welpen. Die ersten Berührungskontakte mit dem Menschen sind in dieser Phase besonders wichtig. Schmusen und Streicheln empfindet jeder Hund als angenehm, und es erfolgt so die erste positive Verknüpfung mit dem Anblick des Menschen. Hinsichtlich seiner motorischen Fähigkeiten bekommt der Welpe mehr und mehr Übung und gegen Ende der Übergangsphase kommt es zu ersten kontrollierten Bewegungsfolgen, sowie zu selbständigem und lokalisiertem Harnen und Koten. Die Schlafperioden werden kürzer, und es kommt zu Interaktionen der Welpen untereinander, die über das „Kontaktliegen“ und „Knäuelbildung“ hinausgehen. Auch zwischen Mutter und Welpen verändert sich die Qualität der Interaktionen.

Mit dem selbständigen und lokalisierten Harnen und Koten beginnt ein  wichtiger Vorgang im Hinblick auf die spätere Stubenreinheit: die Prägung auf den Untergrund beim Ausscheiden – d.h. welchen Boden der Hund später am liebsten unter seinen Pfoten spürt, während er Harn und Kot absetzt. Diese Vorliebe bleibt ein Leben lang bestehen. Wohl dem Besitzer, der seinen Welpen  von einem Züchter kauft, der den Welpen möglichst frühzeitig die verschiedensten Untergründe zum Ausscheiden anbietet.

In der dritten Woche darf es ruhig noch etwas wie Kacheln oder Zeitung sein – ab der vierten spätestens sollte es dann aber hauptsächlich Erde, Laub, Gras oder Stroh sein. Im Grunde werden die jungen Hunde dann fast ganz von allein stubenrein. Kleine Malheure in der Wohnung werden übersehen und dezent aufgewischt.

4. bis 7. Lebenswoche – Prägungsphase

Die Prägungsphase ist der wichtigste Lebensabschnitt eines Welpen, was die Entwicklung seines Wesens angeht. Positive wie negative Erlebnisse und Erfahrungen prägen seinen Charakter und sind maßgebend für sein späteres Verhalten. Die Sinnesorgane sind jetzt voll ausgebildet. Zu Beginn der Prägungsphase starten die Welpen ihre ersten Versuche, das Lager zu verlassen. Sie sind zwar noch recht unbeholfen auf ihren Beinchen, aber die Gehversuche schreiten fort, und das bisherige Krabbeln gehört bald der Vergangenheit an. Auch beginnen die Welpen mit Lautäußerungen wie Knurren und Bellen, die sie im Spiel mit den Geschwistern von sich geben.

Das Balgen und Toben miteinander ist bald die beliebteste Beschäftigung, der sie sich mit Wonne hingeben. Oft sieht ein Zweikampf wie eine gefährliche Beißerei aus, aber keine Sorge, es passiert nichts. Alles ist mehr oder weniger Spiel oder aber ein Test, wie weit man bei so einer kleinen Rauferei gehen kann. Die jungen Hunde lernen jetzt auch das Ausdrucksverhalten wie Imponiergehabe oder Demutsgebärden selbst auszudrücken und bei den Geschwistern zu verstehen. Meist ist bei einer Welpenschar zu beobachten, dass sich ein Anführer herausschält, der bei jeder Rangelei die Sache fest im Griff hat und sich kaum unterwürfig zeigt. Auch beziehen die Kleinen häufig die Mutter in ihre Spiele mit ein. Wird die Hündin zu sehr attackiert, wehrt sie sich schon mal etwas grob. Die Welpen müssen lernen schmerzhafte Maßregelungen hinzunehmen. Und irgendwann liegt die ganze Familie wieder dicht aneinandergekuschelt friedlich in der Wurfkiste.

Ganz entscheidend für seine spätere Bindung an den Menschen sind die Kontakte, die ein Welpe während der Prägungsphase mit den Menschen hat, sei es mit dem Züchter, dessen Familie oder sonstigen Hundeliebhabern, die ab und zu  vorbeikommen, um sich die Kleinen anzuschauen. Den Welpen darf in  dieser Phase auf keinen Fall Unangenehmes durch einen Menschen widerfahren. Kleine Kinder dürfen deshalb niemals unbeaufsichtigt in die Hundekinderstube, denn sie sind meist zu ungeschickt im Umgang mit den Welpen. Die ersten spielerischen Kontaktaufnahmen des Menschen sollten sich auf Kraulen und Streicheln beschränken. Den Welpen wird so oft wie möglich Gelegenheit geboten, Hände zu beschnuppern, sie zu belecken und auch mal einen Finger ins Mäulchen zu nehmen. In die täglichen Berührungskontake sollen nicht nur Familienmitglieder, sondern ganz bewusst für die Welpen fremde Personen mit einbezogen werden. Wenn man so vorgeht, kann man sicher sein, kontaktfreudige Hunde großzuziehen und ihnen das für ihr weiteres Hundeleben Wichtigste mitzugeben: das Vertrauen zum Menschen.

Später wird das Spielen ausgedehnt und der Beutetrieb des Welpen angesprochen, z.B. durch Bewegen von Gegenständen, wie Lappen, Stöcken oder Bälle, nach denen sie bald zu schnappen versuchen. Wenn die Bodenverhältnisse es zulassen, legt man sich ab und zu lang auf die Erde und lässt die Welpen auf sich herumkrabbeln. Das ist für sie ein herrliches Vergnügen und fördert das Vertrauen und den Kontakt.

Fehler, die bei der Behandlung kleiner Hunde in der Prägephase gemacht werden, lassen sich meist nicht mehr rückgängig machen, so dass dem Züchter in dieser Zeit eine besondere Verantwortung zukommt.

 8. bis 12. Lebenswoche - Die Sozialisierungsphase

Sie ist besonders bedeutungsvoll für die Weiterentwicklung des jungen Hundes und seine Fähigkeit, sich seiner Umwelt und vor allem dem Menschen anzupassen. Zu Beginn dieser Phase kommt der Welpe in der Regel in seine neue Umgebung und zu seinem neuen Besitzer. Er erfährt die erste Erziehung und muss sich seinem neuen Meuteverband anpassen. Der Schwerpunkt dieses Entwicklungsstadiums liegt auf dem spielerischen Lernen. Es werden jedoch erste Tabus gesetzt, wobei der normal veranlagte Welpe die Bereitschaft zeigt, Autorität anzuerkennen, wenn er nicht durch unsachgemäße Behandlung verprellt und eingeschüchtert wird. Selbstverständlich hält man unangenehme Einflüsse und Erlebnisse von ihm fern. Gerade in dieser Zeit lernt ein Welpe sehr schnell, man sollte allerdings über positive Verstärkung mit dem Welpen arbeiten, d.h. erwünschtes Verhalten wird gelobt und durch Spielen, Streicheln oder Leckerchen belohnt, so dass dieses Verhalten in Erwartung von Annehmlichkeiten immer wieder gern vom Welpen gezeigt wird. Unerwünschtes Verhalten wird sofort bei der Tat unterbunden. Meist reicht ein scharfes, in tiefer, energischer Stimme gesprochenes „Nein“ schon aus um den Welpen von seinem Vorhaben abzubringen. Die Welpen sind in dieser Phase noch so leicht beeinflussbar. Es macht Freude mit ihnen zu arbeiten. Die Bereitschaft seinem Herrchen oder Frauchen zu folgen und sie als Chef anzuerkennen, sollten sich die neuen Besitzer zu nutze machen. Hat der Hund einen guten Züchter, so wird er auch immer Erziehungsratschläge und Tipps bereithalten.

13. bis 16. Lebenswoche – Rangordnungsphase

In dieser Phase werden die Autorität der „Eltern“ und der eigene Rang innerhalb des Rudels geprüft. Es ist wichtig, den jungen Hund sanft aber konsequent an seinen Platz in der Familie zu verweisen.

5. bis 6. Lebensmonat – Rudelordnungsphase

Jetzt wird die gemeinsame Jagd geübt, Ausflüge unternommen, Jagdspiele sind häufig. Die Besitzer des Hundes müssen auch hier das Rudel ersetzen und diese Aufgaben übernehmen.
In diesem Alter besteht kein sog. Welpenschutz mehr. Welpenschutz existiert sowieso nur in einem Rudel (sprich Elterntiere mit Kindern).

7. Lebensmonat – Pubertätsphase

Rüden heben jetzt zum ersten Mal das Bein, Hündinnen „freunden“ sich während der ersten Läufigkeit mit einem Rüden an, Rivalinnen werden energisch durch Knurren und Beißen vertrieben. Allzu heftige Kämpfe sollten mit Ruhe und Konsequenz unterbunden werden